Sonderausstellung

16. Oktober 2016 bis 21. Januar 2017

Das heimliche Leben der Waschbären


Seine ursprüngliche Heimat ist Nordamerika. Inzwischen hat der Waschbär jedoch auch weite Teile Europas besiedelt. Ende der 1920er-Jahre wurde er als Pelztier nach Deutschland geholt und 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt. Sein dichtes, langhaariges Fell galt als begehrte Jagdbeute. Auch aus Pelztierzuchtfarmen und Zoos konnten die katzengroßen Tiere immer wieder entwischen. In den Wäldern fanden sie Nahrung und Wurfhöhlen und konnten sich in ihrem neuen Lebensraum fest etablieren. Seriöse Zahlen darüber, wie viele Tiere heutzutage in Deutschland leben, gibt es nicht. Schätzungen gehen von deutlich mehr als einer halben Million aus.


Der ausgezeichnet kletternde und gut schwimmende Waschbär ist äußerst anpassungsfähig. Waschbären sind Allesfresser: Auf ihrem Speiseplan steht Pflanzliches wie Obst, Beeren, Eicheln und Nüsse sowie Insekten, Würmer, Frösche und gelegentlich auch Vögel und Kleinsäuger. Der Waschbär findet seine Nahrung vor allem durch Ertasten mit den Vorderpfoten. Dies tut er gern und sehr erfolgreich auch im flachen Wasser und dabei bewegt und prüft er das Gefundene mit den Pfoten ausgiebig. So entstand für den menschlichen Beobachter der Eindruck, er würde seine Nahrung waschen.

Als Kulturfolger hat sich der Waschbär auch zahlreiche Nahrungsquellen in Siedlungsnähe erschlossen. Mülltonnen und -deponien verachtet er nicht, ebenso wenig die Möglichkeit, Dachböden oder Scheunen als Schlafquartier zu nutzen. Die Stadt Kassel gilt als heimliche Hauptstadt der Waschbären. Dort leben mancherorts 100 Tiere auf 100 Hektar – mehr als irgendwo sonst in Deutschland. Bei ihren nächtlichen Streifzügen trifft man sie auf Äckern, in Obstgärten und Hühnerställen, wo sie mitunter erheblichen Schaden anrichten.


Seit 1954 wird der Waschbär ganzjährig bejagt – bislang allerdings ohne große Auswirkungen auf die Populationsentwicklung. Waschbären können nämlich hohe Verlustraten durch vermehrte Fortpflanzung ausgleichen. Die Tiere wurden lange verdächtigt, den Fuchs zu verdrängen und Vogelarten zu dezimieren – als guter Kletterer erreicht der Waschbär nämlich auch die Nester von Baumbrütern und Fledermäusen. Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass Waschbären keine nachteiligen Auswirkungen auf andere Pflanzen- und Tierarten haben.


Eine Ausstellung von Ingo Bartussek, Uslar


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