Terminkalender

Das Arnoldische Obst-Cabinet - Immerfrisches Obst aus Porzellan und die Obstvielfalt im 19. Jahrhundert

Will_Äpfel

Jeder kennt sie – Elstar, Braeburn, Gala – diese Apfelsorten begegnen einem tagtäglich im Supermarkt. Aber, haben Sie schon einmal vom Boikenapfel oder dem Schönen von Nordhausen gehört? Kein Wunder, denn diese Sorten findet man heute fast nur noch in historischen Obstkabinetten. „Hinter sogenannten Obstkabinetten verbergen sich Sammlungen von kunstvoll kolorierten, dreidimensionalen Obstmodellen aus Wachs, Papiermaché oder Porzellan“ erklärt Dr. Maria Will von der Universität Oldenburg. „Diese zeitlosen Schönheiten sind den echten Früchten in Größe, Form, Farbe, Blättern, Schale und Fruchtstielen täuschend echt nachempfunden. So echt, dass sie manchmal sogar Wurmlöcher oder eine fettige Schale aufweisen“.

Eine berühmte Fruchtsammlung stellt das ab 1856 vielverkaufte Obst-Cabinet von Heinrich Arnoldi aus Gotha dar. Die Arnoldischen Modelle wurden in Elgersburg bei Ilmenau produziert. Hier besaß Arnoldi eine Steingut-/Porzellan-Manufaktur. Arnoldis Cabinet gilt als eines der sortenreichsten und schönsten Obstkabinette. Von den zerbrechlichen Modell-Früchten gibt es heute jedoch nur noch sehr wenige, zumeist in Museumssammlungen. Die naturgetreuen Modellfrüchte aus Porzellan sind ein Beleg für die enorme Sortenvielfalt im 19. und 20. Jahrhundert. Heute sind die Früchte außerdem wertvolle Referenzen für die Bestimmung alter Sorten. Die Idee hinter der Produktion und dem Vertrieb solcher Sammlungen war es, die damalige große Sortenvielfalt zu dokumentieren. Außerdem sollten sie der Volksbildung dienen. Die Modelle wurden zum Beispiel in Schulen, Museen und landwirtschaftlichen Lehrveranstaltungen zur Ausbildung von Schülern, Lehrern, Gärtnern und Landwirten eingesetzt.

Dr. Maria Will führt in die Vielfalt alter Obstsorten ein. Sie berichtet von der Wiederentdeckung der Arnoldi‘schen Modelle im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg und erklärt, warum diese 160 Jahre alten Früchte heute begehrte Kunst- und Forschungsobjekte sind. Ein kleiner Exkurs in die genetische Apfelforschung und -züchtung an der Universität Oldenburg ergänzt den Vortrag.

Für den Vortrag ist ein Eintritt in Höhe von 3,- € bzw. 1,- € (Kinder) zu entrichten.