Sammlungsgeschichte

Das Naturkunde-Museum Coburg hat seinen Ursprung in der Sammeltätigkeit von Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen Coburg und Saalfeld (1757-1806). Dieser wurde erst im Alter von 50 Jahren regierender Herzog, und so widmete er sich bis dahin einer für die damalige Zeit standesgemäßen Beschäftigung, dem Sammeln.

Die Sammelpraxis allgemein war vom 16. bis 18. Jahrhundert eine in antiker Denktradition stehende Gesamtschau des Kosmos, der Natur und der menschlicher Geschichte, was nicht selten zur Anhäufung von „Kunst und Wunderkammern“ führte.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trat aber das systematische Sammeln stärker hervor, was erklärt, dass sich Franz Friedrich Anton auf ausgewählte Fachgebiete konzentrierte, Bücher, Münzen und vor allem Kupferstiche. Außerdem dürfte er bereits in Jugendjahren mit dem Aufbau einer eigenen Naturaliensammlung beschäftig gewesen sein und besuchte dazu zwischen 1770 und 1777 verschiedene Naturalienkabinette, unter anderem das von Johann Ernst Immanuel Walch in Jena.

Über die Sammlung selbst gibt es verschiedene Berichte. Beispielsweise erwähnt Johann Gerhard Gruner im Jahre 1777 den prächtigen Fund einer Sandsteinplatte aus dem herzoglichen Steinbruch bei Neuses mit den Abdrücken von 11 Fischen (Semionoten).

Die Sammlung wurde von dem Gymnasialprofessor Hermann Gottlieb Hornschuch betreut. Hornschuch selbst berichtete über „jaspisartiges, versteinertes Holz, oft in großen Blöcken, zumeist aber in kleinen Brocken aus dem Keuper hauptsächlich südwestlich von Coburg“. Ein großer Stamm war wohl in der herzoglichen Residenz der Ehrenburg aufgestellt. Die Sammlung selbst besaß von diesen versteinerten Hölzern eine Kollektion polierter und zu Schmuck verarbeiteter Stücke als Geschenk der Herzogin Sophie Antoinette von Sachsen-Coburg-Saalfeld.

Übrigens war es jenes versteinerte Holz, das bei Carl Ernst Adolf von Hoff (1771- 1837) „den ersten Grund für seine Liebhaberei zu Mineralogie geweckt habe“. Als er nämlich seinen Vater bei einem dienstlichen Aufenthalt in Coburg im Jahr 1784 begleitete, bekam er am herzoglichen Hof vom damaligen Minister von Thümmel einige Stücke geschenkt. Von Hoff war es übrigens auch, der 1829 die erste genauere Übersicht über den geologischen Bau des Coburger Landes gab.
 
Aufgrund der politischen Umwälzungen und in den Wirren der Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist es verständlich, das es aus dieser Zeit über die herzoglichen Sammlungen in Coburg nur wenige Berichte gibt.

In wie weit Herzog Ernst I. (1784-1844) an der naturkundlichen Sammlung seines Vaters interessiert war, ist unklar. Jedenfalls gibt es aus den Jahren 1796-1798 einen Briefwechsel zwischen Ernst und seinem Bruder Ferdinand mit dem Ungarn Domokos Teleki, dem ersten Präsidenten der Mineralogischen Gesellschaft. Hierin geht es um Tausch von Mineralen.

Eine Wiederbelebung des Cabinets kam dann durch die beiden Söhne von Ernst I., den Prinzen Ernst (1818-1893) und Albert (1819-1861). Beide waren sehr naturverbunden und besonders Albert zeigte eine Vorliebe für Naturwissenschaften und ernstere Studien. Dazu kam eine ausgeprägte Sammelleidenschaft, so dass die Brüder schon in ihrer Jugendzeit einen beachtlichen Fundus mit ausgestopften Vögeln, Fossilien und Mineralien zusammengetragen hatten, der ab 1838 Herzogliches Naturalienkabinett genannt wurde.

Über den Umfang der Sammlungen berichten die Inventarlisten von 1838 bis 1844. Wahrscheinlich kam in dieser Zeit auch ein Teil der Sammlung des Gymnasiums mit den Reinecke-Originalen in das Herzogliche Cabinet.

Im Jahr 1840 heirate Prinz Albert – damals erst 20 Jahre alt – seine Cousine Victoria, Königin von England. Vielleicht lag es an seinen deutschen Patriotismus, dass er sein Coburger Naturaliencabinet trotzdem nicht vergaß und es von England aus mit Geld und mit der Zusendung von Fossilien und Mineralen unterstützte. Davon zeugen die Eintragungen in den Inventarbüchern und die Beschriftung der Etiketten. Es fällt auf, dass die meisten Prinz-Albert-Stücke aus dem Lias von Lyme Regis stammen, was die Vermutung nahe legt, dass diese bei der Sammlerin Mary Annings erworben wurden.

Die Bedeutung, die Albert seinem Naturaliencabinet beimaß, kommt dadurch zum Ausdruck, dass beim ersten Besuch des englischen Königspaares in Coburg im Jahr 1845 eine Visite des neuen Herzoglichen Naturaliencabinets im Augustenstift mit einer Eintragung in das Besucherbuch auf dem Programm stand.

Übrigens machte sich Prinz Albert auch in England als Förderer der Paläontologie einen Namen. So regte er nach der Weltausstellung 1851 an, im Park unterhalb des in Sydenham wieder aufgebauten Kristallpalastes eine Urweltlandschaft mit Farnen, Schachtelhalmen und mit Nachbildungen prähistorischer Tiere anzulegen.

Auf Initiative von Herzog Ernst II. und vor allem Prinz Albert entwickelte sich das „Cabinet“ zu einer wissenschaftlichen Einrichtung, die später durch das „Reglement für die Benutzung“ eindeutig als Bildungsstätte und als Museum im heutigen Sinn ausgewiesen wurde (1864).

Zunächst waren die Herzoglichen Sammlungen im Augustenstift ausgestellt. Aber mit dem stetigen Anwachsen der Bestände wurde es hier zu eng. Das Museum kam dann in ein neues Ausstellungsgebäude auf der Veste Coburg, dass 1864 bezogen und für das Publikum geöffnet werden konnte.

Damals gab es noch keine separaten Magazine, weshalb alle Teile der Sammlungen ausgestellt waren. Hauptsächlich waren es Vögel (ca. 4000), deshalb hieß das Gebäude im Volksmund auch „Vogelhaus“.

In der Ausstellung wehte der imperiale Zeitgeist des 19. Jahrhunderts, denn man präsentierte die Tier- und Mineralienwelt zusammen mit völkerkundlichen Objekten als Ergebnis von Expeditionen und Landesenddeckungen.

Teilweise erhielt sich diese Konzeption noch bis in die fünfziger Jahre.

Herzogliche Fische
Herzogliche Fische, 18. Jahrhundert
Vogelsaal
Vogelsaal, 1890
Molusken
Molusken, Sammlung Adam Brückner
Depot 1974
Depot, 1974