Völkerkunde-Sammlung

Geschichte
Das Interesse von Herzog Ernst II. und seiner Frau Alexandrine an Völkerkunde und Anthropologie reichte aus, um sich einige Fachliteratur zu besorgen und einige Ethnografika zu sammeln (vgl. Dohrmann, Alke: „Wie dunkle Schatten durch das fremde geheimnisvolle Land“ in Äthiopien und Deutschland – Deutscher Kunstverlag). Teilweise blieben die Objekte zunächst in Privatbesitz, teilweise wurden sie der Kunst- und Altertumssammlung auf der Veste Coburg einverleibt. Die meisten Ethnografika aus dieser Sammeltätigkeit transferierte man zwischen 1932 und 1946 in das Naturwissenschaftliche Museum, das in der Zwischenzeit über eine eigenständige Völkerkundesammlung verfügte.

Nämliches geschah auch mit den Ethnografika Herzog Alfreds, soweit sich diese (noch) im Besitz der Kunstsammlungen auf der Veste befanden. Die von Herzog Alfred gesammelten Objekte sind leider in der Zeit zwischen 1960 und 1970 gegen afrikanische Masken eingetauscht worden.

Im Herzoglichen Naturwissenschaftlichen Museum war zu Zeiten des Prinzregenten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg bzw. des Museumsleiters Dr. Rudolf Fischer eine eigenständige Völkerkundeabteilung entstanden (ab 1900), damals noch auf der Veste Coburg beheimatet.

Den Startschuss hierzu gaben private Schenkungen von Ethnografika aus Sumatra (Herrigs, Dr. Römer). Es folgten Schenkungen von und Ankäufe beim Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin, Ankäufe aus Mitteln der Koppschen Stiftung (Leipzig, um 1908) beim Hamburger Museum Umlauff und anderen. Beim Übergang der Sammlung in den Besitz der Coburger Landesstiftung waren etwa 720 Objekte registriert.

Zwischen 1920 und 1960 blieben die Zugänge zur Völkerkunde-Sammlung vor allem aus Geldnot und anderen Prioritäten bescheiden in Zahl und Bedeutung. Besondere Erwähnung verdient nur eine Schenkung der Coburger Familie Uhlenhut: Batakobjekte, die eine hervorragende Ergänzung zur Schenkung Dr. Römers bildeten. Diese Schenkung geriet allerdings in den Wirren der Zeit in Vergessenheit und wurde erst nach 1996 inventarisiert.

Ab 1963 nahmen die Zugänge wieder zu. 1975 schenkte Erich Tittel aus Bietigheim-Bissigen dem Naturkunde-Museum Coburg 200 Objekte aus Neuguinea. Darunter befanden sich solche Prachtstücke, dass der damalige Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier sich öffentlich beim Spender bedankte.

Am 21./22.Oktober 1978 gründete sich in Coburg ein Verein der „Primitivgeldsammler“ unter dem Namen Eucoprimo (European Union to search for, collect and preserve Primitive and Curious Money). Von da ab bis 1992 liegen die Schwerpunkte der Sammeltätigkeit auf den Gebieten Primitivgeld sowie Ethnografika von Afrika und Melanesien.

Ab 1992 änderten sich mit Blick auf die Neugestaltung der Völkerkunde-Dauerausstellung in einem Neubau die Sammlungsschwerpunkte: zu Afrika, Ozeanien und Primitivgeld kamen die präkolumbischen Kulturen Perus und die Kuna-Indianer Panamas hinzu. Priorität aber besaß von nun an der Ankauf authentischer Batak-Objekte aus Sumatra (v.a. Privatsammlung Flick). Es gelang die Schenkungen Dr. Römer und Uhlenhut zu einem erwähnenswerten Bestand auszubauen. Mit der Schenkung der rezenten Objekte aus recycelten Materialien aus der Sammlung Dr. J. Werobél-La Rochelle (1999), dem Ankauf der Sammlung Paul Merz (Mikronesien/Melanesien; 2000), sowie der Schenkung Langheinrich (Irian Jaya; 2006/2008) erhält die Sammlung ein neues Gesicht, ohne ihre Wurzeln zu vernachlässigen.

Masai-Krieger
Umlauff-Figur: Masai-Krieger
Batak Wächterfigur
Batak Wächterfigur
Modernes Recycling 1s, Benin, Afrika
aus "Altwaren" als Rohstoff gefertigte Spielwaren: Modernes Recycling; Benin Afrika; Sammlung Werobél-La Rochelle
Modernes Recycling, Benin, Afrika
aus "Altwaren" als Rohstoff gefertigte Gebrauchsgegenstände: Modernes Recycling; Benin, Afrika; Sammlung Werobél-La Rochelle